Pitch · Wien · 2026
Das Post-KI-
Geschäftsmodell.
Von Software-as-a-Service zu Business-as-a-Service - warum der Wert von Software nicht mehr im Code liegt, und was wir stattdessen bauen.
Folie 02 · Bausteine
Jedes Unternehmen ist ein Bauwerk aus Bausteinen.
Wir führen eine Hausarztpraxis in Wien - und kennen dort jeden Handgriff, von der Anmeldung bis zur Abrechnung. Aus dieser Nähe kommt die Beobachtung, um die es heute geht:
Jedes Unternehmen besteht aus tausenden Bausteinen - bis hinunter zum einzelnen Handgriff. Branchen teilen sich viele davon; die innovativsten Unternehmen kombinieren Bausteine quer über Branchengrenzen neu.
MitarbeiterHandgriffeKundenBedürfnisseProzesseWissenGeräteRäumeMarketingBuchhaltungLieferantenVerträgeTermineAbrechnungEinschulung…
Ein Ausschnitt. Die echte Liste hat tausende Einträge.
Folie 03 · These 1
Die Kombination ist das Unternehmen.
Zwei Unternehmen können fast dieselben Bausteine verwenden - und trotzdem macht die Kombination den Unterschied: eine bessere Kundenstrecke, eine besonders freundliche Mitarbeiterin, ein Kundensegment, das der andere nicht erreicht.
Unternehmen B - gleiche Steine, anderes Bauwerk. Ein Detail macht den Unterschied.
These 1
Ein Unternehmen ist seine Baustein-Kombination. Die Bausteine sind kopierbar. Die Kombination - und das Wissen, warum sie so aussieht - ist es nicht.
Folie 04 · Die Baustein-Typen
Was für Bausteine gibt es überhaupt?
Bevor man kombinieren kann, muss man wissen, woraus man baut. Jeder digital abbildbare Baustein ist eines von vier Dingen - Physisches bleibt physisch, digital wird sein Abbild:
Typ 1WissenKontext: Daten, Evidenz, Regeln, Historie
Typ 2FähigkeitTool: was das System tun kann - Termin buchen, Befund holen, Brief schreiben
Typ 3AblaufWorkflow: Wissen und Fähigkeiten zu Prozessen verkettet
Typ 4VerantwortungMensch: Urteil, Freigabe, Haftung - bleibt beim Menschen
Aus diesen vier Typen ist alles zusammengesetzt, was ein Unternehmen digital kann - die Frage ist nur, wer sie kombiniert und für wen.
Folie 05 · Software bisher
Software war der Versuch, Bausteine einzufrieren.
- Software war teuer. Also baute man nur, was sehr viele Nutzer gemeinsam haben - den kleinsten gemeinsamen Nenner.
- Die Ersteller sind nicht die Benutzer. Das Ergebnis kennt jeder: mächtige Systeme, von denen die meisten nur einen Bruchteil verwenden.
- Anpassung ist das Milliardengeschäft der Konzern-IT. Lidl brach 2018 seine SAP-Einführung ab - Medienberichten zufolge nach rund 500 Mio. €. Ein Grund: SAP rechnet standardmäßig mit Verkaufspreisen, Lidl seit jeher mit Einstandspreisen. Ein fremdes Baustein-Modell gegen die eigenen Bausteine.
These 2
Klassische Software friert die Baustein-Kombination eines Durchschnittsunternehmens ein - das es nicht gibt.
Folie 06 · Der Bruch
Drei Dinge sind gerade anders geworden.
Neu 1Ersteller = Benutzer.Zum ersten Mal kann Code von denen erstellt werden, die ihn auch benutzen - statt von jemandem, der sich ausdenkt, wie andere arbeiten sollten.
Neu 2Software lebt.Sie ist kein statisches Produkt mehr, sondern entwickelt sich täglich weiter - getrieben vom Feedback und den Nutzungsdaten der User.
Neu 3Der Burggraben verschiebt sich.Verifikation, Sicherheit und Compliance bleiben teuer und wichtig - sie sind heute der stärkste Burggraben.
Benutzerarbeitet→
Feedback + Logstäglich→
Agentbaut um→
Softwarebesser als gestern↺
These 3
Billig wird das Schreiben von Code. Wertvoll bleibt zu wissen, was gebaut werden soll - und zu beweisen, dass es stimmt.
Folie 07 · Der Selbstversuch
Wir haben die alte Welt selbst gebaut.
PraxisPlus - unsere eigene Praxis-Software. Gebaut von jemandem, der jeden Handgriff kennt, für die eigene Praxis: die Ausnahme von Folie 5 - Ersteller = Benutzer. Fertig im Februar 2026, seither im Echtbetrieb.
~1.000digital eingereichte Patienten-Anliegen pro Monat (~2.700 gestartete Sessions)
93NPS - Patientenzufriedenheit Ø 4,9/5 (231 Antworten)
15 → 0Terminvergabe-Fehler im Quartalsvergleich
April 2026
Und trotzdem haben wir aufgehört, sie weiterzuentwickeln. Eine Software mit diesen Zahlen stellt man nicht aus Frust ein - sondern aus Einsicht: Jede weitere Stunde Feature-Roadmap wäre eine Stunde in die falsche Zukunft gewesen. Die Learnings aus dem Bau sind heute mehr wert als das Produkt.
Folie 08 · Die Zukunft
Individualisierung of Everything.
Wenn Software billig wird, fällt der Zwang zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Dann wird möglich, was Software immer versprochen und nie gehalten hat:
Individuelle Produkte für individuelle Kunden, erbracht von individuellen Mitarbeitern auf ihre individuelle Art - abgebildet in Software, die sich dem Menschen anpasst statt umgekehrt.
Dieselben Bausteine - für jeden anders komponiert.
Folie 09 · Die neue Software
So sieht Software aus, die das kann.
Niemand will Bausteine erst studieren und konfigurieren - Menschen wollen sie einfach benutzen. Die neue Software hat drei Schichten:
Schicht 1Der BaukastenAgenten erforschen und katalogisieren die Bausteine der Domäne - maschinenlesbar, mit Evidenz und Quellen.
Schicht 2Das stabile InterfaceWiederkehrende Prozesse bekommen ein optimal designtes, immer gleiches Interface. Verlässlichkeit, wo Routine ist.
Schicht 3Der Agent als KompositeurFür alles Individuelle beschreibt der Benutzer in Sprache, was er braucht - der Agent wählt Bausteine und komponiert den Prozess. Konfiguration verschwindet als Nutzer-Aufgabe.
Beschreibenin normaler Sprache→
KomponierenAgent wählt Bausteine→
Benutzensofort, ohne Konfiguration
Folie 10 · Projekt Vorsorge
Die Herausforderung ist nicht mehr die Technik. Es ist die Komposition.
Genau das bauen wir gerade - unser neues Projekt: Vorsorge. Individuelle Medizin als das nächste große Ding, aus vier großen Bausteingruppen:
Evidenzkatalogkuratiertes medizinisches Wissen: Checks, Interventionen, Risiko-Scores - mit Evidenzgrad und Quellen, maschinenlesbar
Praxis-SoftwarePraxisPlus: Anliegen, Termine, Kommunikation, Abrechnung - der digitale Betrieb
Prozesse + WorkflowsAbläufe in Ordination und Nachbetreuung - auf individuelle Bedürfnisse komponiert
Betrieballes, was das Unternehmen trägt: Team, Recht, Räume, Geräte, Finanzen
↓ Agenten komponieren daraus - für jeden Menschen einzeln ↓
Das individuelle Vorsorge-ProgrammRisikoprofil, Maßnahmen, Messungen, Nachbetreuung und Ansprache - für jeden Patienten anders, ärztlich verantwortet.
Von SaaS zu BaaS
Je leistungsfähiger die Modelle und je mehr Bausteine digital sind, desto weniger Menschen braucht es, ein solches Unternehmen zu führen - bei immer hochwertigerem Service. Ein ganzes Business anzubieten klingt verrückt? Franchise gibt es seit 70 Jahren - denken wir an McDonald's: ein vollständig optimiertes, ständig weiterentwickeltes Geschäft, bereit zum Betreiben. Neu ist nur: Unseres ist digital, lernend - und individuell.
Folie 11 · Warum ich hier bin
Wenn KI alles kann, zählen fünf Dinge.
1Vertrauenwem Menschen ihre Gesundheit und ihre Daten anvertrauen
2Distributionwer den Zugang zu den Kunden hat
3Kontextwer die Daten und das Domänenwissen hält
4Kompositiondie Art, wie man die Bausteine zusammensetzt - Taste, Gefühl, Handschrift
5Regulierungwer die Compliance-Hürden beherrscht, hat den Burggraben
Genau deshalb bin ich hier. Latido hat vieles davon - und das Potential, sich in dieser Transformation völlig neu aufzustellen. Die Karten sind neu gemischt: Ein Heer von Entwicklern ist kein Burggraben mehr. Das ist die Chance des Kleinen und Schnellen gegen die Großen und Langsamen - und vielleicht kommt sie so nicht wieder.
Reden wir.